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Ferrari Journal Deutschland
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FERRARI 330 GT
Paul Frère
Den nachfolgenden Text haben wir mit freundlicher Genehmigung
der „MOTOR REVUE“ aus Nr. 50/1964 original ohne
jegliche Änderung übernommen.
Bildmaterial MOTOR REVUE (alle s/w Fotos) und Ferrari Deutschland (alle
Farbabbildungen).
In relativ kurzer Zeit ist der Name Ferrari zu einem Begriff
geworden, der nur mit einer anderen Automarke in einem Atemzug genannt wird: mit
Rolls Royce. Nicht daß Ferrari für Rolls Royce ein Konkurrent wäre; die Wagen
haben nichts gemeinsam, nur ihr Prestige- wert liegt auf ungefähr der gleichen
Ebene.
Der Ruf des Ferrari beruht hauptsächlich auf einer über 15 Jahre andauernden
sportlichen Erfolgsserie, weshalb von jedem Ferrari sehr hohe Fahrleistungen
erwartet werden. Dies hat der Chef des Hauses klar erkannt, und obwohl er schon
mehrere Prototypen kleinerer Sportwagen entwickelt hat, konnte er sich mit Recht
niemals dazu entschließen, diese neben dem berühmten 3 Liter im eigenen Werk und
unter eigenem Namen herzustellen. In den letzten Jahren sind aber die
Fahrleistungen mancher amerikanischer Tourenwagen so gestiegen, daß — zumindest
in der Beschleunigung — der bisherige 250 GT mit einigen großen und komfortablen
Exemplaren der Detroiter Blechware nicht mehr ganz mitkam. Deshalb mußte man
sich in Maranello, von wo aus ungefähr die Hälfte der Produktion nach den USA
exportiert wird, dazu entschließen, ein neues, noch leistungsstärkeres Modell
auf den Markt zu bringen. Die Grundlage dafür war im 4 Liter-Superamerica (der
als Sondermodell nur in ganz kleiner Stückzahl gebaut wurde) gegeben.
Während der 340 PS Zwölfzylinder-4 Liter-Motor des Superamerica eine
Weiterentwicklung des 90 PS 1500 ccm-Motors aus dem Jahre 1947 war — in dem auch
der 3 Liter seinen Ursprung hat und dessen Baulänge und Entfernung zwischen den
Zylinderachsen beibehalten worden waren —‚ ist der Motor des 330 GT eine
gänzlich neue Konstruktion. Der Block ist um einige Zentimeter länger, und die
Zylinder liegen etwas weiter auseinander. Alle Merkmale des vorhergehenden 4
Liter wurden beibehalten, darunter auch die Abmessungen für Bohrung und Hub (77
mm x 71 mm) und die mit je vier Bolzen festgezogenen Kurbelwellenlagerkappen.
Auch der Ventiltrieb ist mit dem des Superamerica identisch. Da dieser Motor für
Rennzwecke schon bis zu einer Literleistung von 100 PS entwickelt wurde (er
gewann 1962 das 24 Stunden-Rennen von LeMans), kann man annehmen, daß für den
330 GT der Motor nicht im Interesse einer größeren Standfestigkeit vergrößert
wurde, sondern weil er die Basis für weitere Entwicklungspläne bilden soll.
Der neue Ferrari erhielt auch einen um 5 Zentimeter längeren Radstand als der
Superamerica und als der bisherige 250 GT, so daß die hinteren Sitzplätze der
neuen Pininfarina-Karosserie jetzt fast als vollwertig gelten können. Sonst
entspricht das Fahrgestell weitgehend dem des früheren „2+2“, von dem übrigens
in der Zeit von Oktober bis Dezember 1963 ca. 80 Stück schon mit dem 4
Liter-Motor ausgeliefert wurden. Wie eben erwähnt, wurde der Entwurf und der Bau
der Karosserie für Ferraris neueste Schöpfung traditionsgemäf3 Pininfarina
anvertraut. Die Linien sind dem Charakter eines Ferraris entsprechend klar
gekennzeichnet, ohne so streng zu wirken wie die des früheren 2+2 Coupés, und
sie bieten sowohl einen sehr ausreichenden Innenraum wie einen brauchbaren
Kofferraum. Nur die Anordnung der Doppelscheinwerfer ist Pininfarina schon
besser gelungen — zum Beispiel beim Fiat 1600 Cabriolet. Weniger gut ist indes
die Verarbeitung der Karosserie, die in mancher Hinsicht der Preisklasse des
Wagens keineswegs entspricht. Wir kommen hierauf noch näher zurück, möchten aber
gleich erwähnen, daß die meisten Unzulänglichkeiten Pininfarinas Sohn Sergio,
der jetzt das Werk leitet, bekannt sind, und daß alles daran gesetzt wird, die
an unserem Wagen festgestellten Mängel schleunigst zu beheben.


LEISTUNG UND ELASTIZITÄT
Der Zwölfzylindermotor ist auch im Leerlauf keineswegs leise, aber seine
Weichheit und seine Elastizität täuschen über die Fahrleistungen des neuesten
Ferrari hinweg. Bei der Auswertung der gestoppten Beschleunigungszeiten waren
wir von den erzielten Werten ehrlich überrascht: Dieser fast vollwertige
Viersitzer kommt nämlich auf fast genau die gleichen Zeiten wie eine Corvette
Sting Ray mit Einspritzmotor und ist in der Spitze sogar um 5 km/h schneller als
die von uns auf der gleichen Strecke gemessene Corvette. Dabei hatte der Ferrari
bei den Fahrleistungsmessungen nur knappe 500 Kilometer hinter sich, und man
hatte uns überdies warm ans Herz gelegt, das Auto heil zurückzugeben. So wurde
beispielsweise die Kupplung beim Anfahren mit mehr Zurückhaltung behandelt, als
sonst bei Tests üblich. Die kaum spürbare, aber gut hörbare Vibrationsperiode
des 3 Liter-Motors um die 5000 U/min herum, die trotz jahrelanger
Entwicklungsarbeit nie eliminiert werden konnte, ist beim neuen 4 Liter
verschwunden: Bis zum roten Strich auf dem Tourenzähler, der bei 6600 U/min
liegt, ja wenn es darauf ankommt auch bis 7000 U/min, dreht er wunderbar weich
und auch von unten heraus vollkommen regelmäßig. Wenn man das auch nicht tun
soll und niemals tun wird, ist der Motor doch imstande, schon ab 20 km/h im 4.
Gang und ab 28 km/h im Overdrive (was einer Drehzahl von nur 600 bzw. 700 U/min
entspricht) sauber zu beschleunigen, wenn man für das Gaspedal etwas Gefühl hat.
Im Stadtverkehr kann man allerdings sehr gut schon bei 40 oder 50 km/h im 4.
Gang fahren, und ab 50 beschleunigt der Ferrari in diesem direkten Gang
schneller bis 80 als ein Peugeot 404 mit Einspritzung oder ein Fiat 1500
Cabriolet es im 2. Gang tun! So kommt es, daß der Schalthebel im normalen
Überlandverkehr fast ganz vergessen werden kann. Schalten ist nur auf
Gebirgsstraßen notwendig, oder wenn man wirklich schnell sein will, oder
natürlich für ein blitzschnelles Überholmanöver, das noch mit Sicherheit
erfolgen kann, wo die meisten Wagen warten müssen, ja manchmal auch nur wegen
der Freude an der enormen Beschleunigung. Sonst wird einfach der an der
Lenksäule angebrachte kleine Hebel des Laycock-de Normanville-Overdrive hin und
her bewegt: hinunter in den direkten Gang, wenn es auf schnelle Beschleunigung
ankommt, hinauf in den Schnellgang, wenn der Wagen wieder auf die gewünschte
Geschwindigkeit gekommen ist, soweit sich diese nicht jenseits der Reichweite
des 4. Gangs, die bei 200 km/h liegt, befindet. Dies erfolgt ohne zu kuppeln,
aber es ist empfehlenswert, dabei ganz kurz Gas wegzunehmen, um ein übermäßiges
Rutschen des Overdrivegetriebes zu verhindern. Bemerkenswert ist, daß im
Mailänder Großstadtverkehr und für die Höchstgeschwindigkeitsmessungen die
gleichen Zündkerzen verwendet wurden. Auch nach ¾stündiger Fahrt im Zentrum der
Stadt setzten sie kein einziges Mal aus.
Wenn man bei eingeschaltetem Overdrive in den dritten Gang zurückgeht, schaltet
sich der Overdrive automatisch aus. Beim anschließenden Hinaufschalten vom
dritten in den vierten Gang erfolgt die Kraftübertragung also im direkten und
nicht im Schnellgang; der vierte Gang wird nicht übersprungen. Das ist eine sehr
praktische Einrichtung, die der als Ingenieur und Rennfahrer bekannte Michael
Parkes von Rootes, wo er früher tätig war, zu Ferrari mitgebracht hat. Parkes
war an der Entwicklung des 330 GT maßgeblich beteiligt. Der Schalthebel liegt
sehr gut bei der Hand und hat ziemlich kurze Wege. Er geht nicht fingerleicht,
ist aber schön exakt geführt, und die Porsche-Synchronisierung arbeitet, im
Gegensatz zu früheren Ferrari-Getrieben, in allen Gängen schnell und mit
hundertprozentiger Sicherheit. Auch die Einscheiben-Kupplung verdient in
Anbetracht des hohen zu übertragenden Drehmoments für ihre Leichtgängigkeit und
Progressivität besonders erwähnt zu werden. Dabei greift sie ganz fest, und wenn
man sie beim Anfahren brutal losläßt, rutschen die Räder, aber nicht die
Kupplung. Das ist schon beachtlich, denn die Räder haben eine ausgezeichnete
Haftung. Sie werden zwar von einer Starrachse getragen, aber diese ist durch
seitliche Lenkhebel, die die Antriebs- und Bremsdrehmomente aufnehmen, gut
geführt, so daß keine Verwindungen der Federn und dadurch hervorgerufenes
Springen der Räder eintreten kann.

ERSTAUNLICHE ELASTIZITÄT
Im Werk wurde uns für den 330 GT eine Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h
angegeben. Unser Wagen erreichte bei gutem, fast windstillem Wetter als Mittel
von mehreren Messungen 234 km‘h bei ca. 6270 UI min. Da der Kilometerzähler zu
dieser Zeit nur zwischen 500 und 600 Kilometer anzeigte, darf mit voller
Sicherheit angenommen werden, daß der gleiche Wagen nach 5000 oder 10000
Kilometern die angegebene Geschwindigkeit erreichen wird. Bei solch hohen
Geschwindigkeiten kommt es im übrigen auf 5 oder 6 km/h wenig an. Wichtig ist
nur, wie schnell man auf längeren Strecken angenehm und sicher fahren kann. Bei
uns stellte sich auf der ziemlich freien Autostrada del Sole eine
Geschwindigkeit von 200 km/h fast automatisch ein, entsprechend einer
Tachoanzeige von 210 und einer Drehzahl von 5500 U/min im Overdrive. Der Motor
scheint sich hierbei gar nicht anzustrengen und besitzt noch eine beträchtliche
Leistungsreserve, während der Wagen wie auf Schienen rollt und auch von einem
ziemlich starken Seitenwind kaum aus der Ruhe gebracht wird. Wie hoch dabei aber
im Sommer die Öltemperatur steigen wird, ist eine andere Frage; denn bei einer
Außentemperatur von ca. 14° C lag sie schon bei 1100 C und bei den
Höchstgeschwindigkeitsmessungen stieg sie auf 135° C an. Ziemlich hoch ist auch
der Geräuschpegel im Wageninnern, der ab 170—180 die Unterhaltung zwischen den
Fahrgästen schwer macht. Allerdings wirkt dieses Geräusch eher musikalisch als
ermüdend und nerven- zerstörend.
Ganz hervorragend ist die Straßenlage, zu der die riesige Auflagefläche der
205x15 Pirelli Cinturato-Reifen und die sehr breiten Feigen zweifellos erheblich
beitragen. Nur in engen Kurven ist eine Tendenz zum Untersteuern festzustellen,
sonst verhält sich dieser Ferrari, im Gegensatz zu seinen meisten Vorgängern,
fast neutral. Es bedarf schon einer erheblichen Kurvengeschwindigkeit, um ein
fühlbares Wischen und eine merkliche Seitenneigung hervorzurufen. Auch auf
schlechten Straßenoberflächen behalten die Räder einen sehr guten Kontakt zum
Boden, und auf nasser Straße fährt sich der Ferrari besser als mancher Wogen mit
viel weniger Leistung. Hierzu trägt auch die sehr präzise Lenkung bei, die
ungewöhnlich wenig Elastizität aufweist und angesichts ihrer relativ direkten
Übersetzung für einen vollgetankt 1530 Kilo wiegenden Wagen als erstaunlich
leichtgängig bezeichnet werden darf. Selbst beim Parken ist trotz den enorm
breiten Reifen kein übermäßiger Kraftaufwand erforderlich. Stöße werden auf
schlechten Straßen kaum bis zum Lenkrad übertragen, nur der Einschlag ist für
den modernen Stadtverkehr vollkommen unzulänglich.
Die vier Dunlop-Scheibenbremsen werden im 330 GT durch zwei getrennte
hydraulische Kreise, jeder mit einem eigenen Vakuum-Servo, betätigt. Die Bremsen
eines so schnellen und durchaus nicht leichten Wagens haben eine schwierige
Aufgabe zu bewältigen, zumal für einen Tourenwagen auch verlangt wird, daß die
Bremsen im Stadtverkehr angenehm arbeiten und nur einen mäßigen Kraftaufwand
erfordern. Für normale Verhältnisse sind diese Probleme im Ferrari gut gelöst.
Um den Wagen aber aus hoher Geschwindigkeit wirklich scharf abzubremsen, bedarf
es ganz erheblicher Pedalkräfte. Es muß jedoch gesagt werden, daß die Beläge am
Anfang des Tests ganz neu waren und daß der unter den erwähnten Umständen
erforderliche Pedaldruck gegen Ende des Tests merklich abgenommen hatte. Die
Bremsen sind mehreren schnell einander folgenden, scharfen Abbremsungen aus
schneller Fahrt gewachsen. Wann ausgesprochenes Fading eintritt, konnten wir
nicht feststellen, da wir, wie schon erwähnt, die Anweisung erhalten hatten, den
Wagen möglichst schonend zu behandeln. Strömender Regen hatte auf die Leistung
der vorn durch eine Abdeckung geschützten Bremsen wenig Einfluß, und auch nach
längerer Autobahnfahrt sprachen sie bei Nässe sofort an.


ERSTAUNLICHER FAHRKOMFORT
Die erstaunlichste, weil am wenigsten erwartete Eigenschaft des 330 GT ist
zweifellos sein Fahrkomfort. Die sehr wirksame Dämpfung der Federung kommt nur
bei Stadtgeschwindigkeiten, wo kleine Erschütterungen für die Wageninsassen
spürbar werden, zum Vorschein, und diese werden größtenteils von den gut
gepolsterten Sitzen aufgenommen. Die für die hintere Aufhängung verwendete
Kombination von Blatt- und Schraubenfedern, von denen die letzteren die
wichtigere Rolle spielen, hat den Zweck, durch die Verringerung der Reibung
zwischen den Federblättern ein leichteres Ansprechen der Federung zu
gewährleisten. Die Blattfedern dienen hauptsächlich der seitlichen Führung der
Achse und wurden einem Querstabilisator vorgezogen, weil sie weniger Fahr- und
Differentialgeräusche auf den Wagenkörper übertragen. Sobald etwas flotter
gefahren wird, werden alle Unregelmäßigkeiten der Straßenoberfläche in
eindrucksvoller Weise geschluckt, und Auf- und Abschwingungen werden nach einer
Bodenwelle sofort gedämpft. Außerdem macht das Auto einen sehr soliden Eindruck,
so daß man auch auf ausgesprochen schlechten Straßen komfortabel und bedenkenlos
schnell fahren kann. Nur auf Steinpflaster rumpelt der Wagen etwas, was wohl
hauptsächlich den Gürtelreifen zuzuschreiben ist. Der Reifendruck hat auf den
Fahrkomfort wenig Einfluß. Niemals fuhren wir mit weniger Luft als die 2,3 atü
vorn und 2,6 atü hinten, die für schnelle Überlandfahrten empfohlen sind. Für
schnelles Fahren auf der Autobahn soll der Druck um 0,3 atü erhöht werden, was
sich weder auf den Fahrkomfort noch auf die Fahreigenschaften merklich auswirkt.
Wie schon erwähnt, haben die ausgezeichneten, mit echtem Leder überzogenen
Vordersitze einen wesentlichen Anteil am Fahrkomfort des Ferrari. Ihre
Polsterung ist auf die Federeigenschaften des Wagens gut abgestimmt, und sie
sind anatomisch gut geformt. Auf der Beifahrerseite fehlt eine Fußstütze, die
kleineren Personen besonders erwünscht wäre, da für sie das Sitzkissen etwas zu
lang ist und bei unabgestützten Beinen unter den Knien stört. Die Neigung der
Rückenlehne ist nach Belieben auch während der Fahrt verstellbar, und der
gleiche Hebel entriegelt auch die Lehne, wenn sie für den Einstieg nach hinten
umgeklappt werden muß. Die Lenksäule ist nicht verstellbar, aber günstig
angeordnet. Auch die Pedale liegen gut: Gas- und Bremspedal liegen ungefähr auf
der gleichen Ebene und können für eine Zwischengasprise, ohne von der Bremse zu
gehen, gleichzeitig betätigt werden.
Der Innenraum ist hinsichtlich der inneren Sicherheit gut gestaltet. Das gilt in
erster Linie für die von einem dicken Schaumgummipolster umrahmte
Armaturentafel. Diese war im Testwagen besonders schlecht verarbeitet und auch
ganz miserabel lackiert. In allernächster Zeit soll aber für die Tafel Stahl an
Stelle von Aluminium treten, und der Dekkel des innen beleuchteten
Handschuhkastens soll auch eine Feder erhalten, so daß er aufspringen wird und
das Öffnen nicht mehr mit den Fingernägeln erfolgen muß!
An den Bordinstrumenten wurde nicht gespart, es ist alles vorhanden, was sich
ein sachkundiger Fahrer wünschen kann: Tourenzähler, Tacho mit Tageszähler, Öl-
und Wasser-thermometer, Amperemeter, Öldruckmesser, Benzinuhr, und elektrische
Zeituhr. Als Benzinreserve dient eine elektrische Förderpumpe, die normalerweise
ausgeschaltet bleibt, aber im Hochsommer, wenn in den Leitungen
Verdampfungsgefahr besteht, der mechanischen Pumpe aus- helfen soll, auch die
letzten Tropfen aus dem 90 Liter-Tank herauszuholen. Bei schneller Fahrt reicht
dieser Tank praktisch nicht für viel mehr als 350 Kilometer aus, denn auch
vernünftig gefahren (wobei man natürlich immer noch bedeutend schneller ist als
mit normalen Autos) braucht der 4 Liter-Motor selten viel weniger als 24 Liter
für 100 Kilometer.
Nach einem Kaltstart erreicht der Motor schnell seine Betriebstemperatur von
knapp 90° C, die unter allen Umständen fast unverändert bleibt. Dazu verhilft
ihm auch der automatisch durch einen Thermoschalter eingeschaltete und durch
eine magnetische Kupplung und einen Keilriemen angetriebene Lüfter, der meist
nur im Stadtverkehr mitläuft. Entsprechend dieser ziemlich hohen
Betriebstemperatur hat die Wagenheizung eine gute Wirkung, und es dauert nicht
lange, bis sie nach einem Kaltstart Wärme fördert. Ein von der Hauptanlage
getrennter, elektrischer Lüfter verhindert das Beschlagen der Heckscheibe durch
Zirkulation von Luft aus dem Wageninnern. Leider konnte, wahrscheinlich wegen
schlechter Einstellung des Betätigungszuges, die Heizung im Testwagen nicht ganz
abgestellt werden. Kaltlufteinlässe sind im vorderen Fußraum sowie in der Mitte
des Armaturenbrettes vorgesehen, von wo aus die Luft durch zwei drehbare Gitter
beliebig nach allen Richtungen gelenkt werden kann.

GUTE EINRICHTUNG, KLEINE MANGEL
Details, wie die im Rückblickspiegel eingebaute kleine Leselampe oder die in
den Türen eingebauten roten Warnlampen, brauchen bei einem Wagen dieser Klasse
kaum erwähnt zu werden. Was in einem Durchschnittsauto als Luxus gelten würde,
wird in einem Ferrari als selbstverständlich erwartet. Ein besonderes Lob
verdienen aber die Marchal-Doppelscheinwerfer, die nicht nur ein gutes
Abblendlicht, sondern vor allem ein ganz hervorragendes Fernlicht abgeben.
Um so mehr fallen kleinere Mängel auf Man vermißt genügend Ablegemöglichkeiten,
obwohl es sehr leicht wäre, die Konsole über dem Getriebe entsprechend
einzurichten, und ohne erklärlichen Grund ist die feste, mittlere Armlehne des
Fondsitzes um mehrere Zentimeter zu niedrig, um ihren Zweck zu erfüllen. Der
Einstieg nach hinten ist dank den großen Türen unproblematisch. Auch der Fußraum
ist für einen Wagen, der sich noch „2 + 2“ nennt, erstaunlich gut, auch wenn ein
mittelgroßer Fahrer mit gut ausgestreckten Armen fährt. Mit dem Kopfraum, der
für eine mittelgroße Person gerade noch ausreicht, kann man sich abfinden. Daß
die beiden Teppiche des hinteren Fußraumes nach einer Fahrt von ca. 350
Kilometern bei strömendem Regen im Wasser schwimmen würden, hatten wir aber
nicht erwartet. Auch Sergio Pininfarina war erstaunt, als wir ihm dies
erzählten, und wird dafür Sorge tragen, daß diesem Mangel sofort nachgegangen
wird.
Daß der 330 GT ein „2 + 2-Sitzer“ und kein vollwertiger Viersitzer ist, ist
weniger durch unzulängliche Raumverhältnisse im Wagenfond als durch den knappen
Gepäckraum bedingt. Vier Personen sitzen im Ferrari bequemer als in vielen
kleineren Viersitzern, aber für ihr Gepäck (besonders für das Gepäck, das
Ferrari-Fahrer meist mitnehmen wollen) ist zu wenig Platz. Für das wertvollere
Gepäck von zwei Personen, das besser unter Schloß und Riegel aufbewahrt wird,
reicht jedoch der innen beleuchtete und elegant ausgekleidete Kofferraum gut
aus, und weiteres Gepäck findet im hinteren Wagenraum Platz. Unangenehm ist nur,
daß das Gepäck aus dem Kofferraum herausgenommen werden muß, um das Reserverad
und das Werkzeug zu erreichen. Erhebliches überhängendes Gewicht, das die
Fahreigenschaften ungünstig beeinflussen könnte, wurde dadurch vermieden, daß
der Kraftstofftank unmittelbar hinter der hinteren Rücken- lehne, ungefähr über
der Hinterachse, angeordnet ist.
Der Motorhaubendeckel ist innen sorgfältig und elegant mit einem
geräuschdämpfenden Stoff regelrecht gepolstert. Darunter bietet der nachts
beleuchtete Motor einen Anblick, der für den Kenner ein echter Genuß ist. Die
drei Weber-Doppelvergaser saugen die Luft aus einem gemeinsamen, großen
Luftfilter mit auswechselbaren Papierpatronen. Weiterhin findet man einen
Wechselstromgenerator, und vorn sind die zwei Ölfilter — einer im Haupt-und
einer im Nebenstrom — sehr gut zugänglich. Schön gepreßte Leitbleche über den
Auspuffkrümmern verhindern auf beiden Seiten übermäßige Hitzeausstrahlungen, und
alle Ausrüstungsaggregate, wie die beiden Bremsservos, der Scheibenwischermotor
und die elektrischen Apparate, sind sauber und zweckmäßig angeordnet.
Ein Ferrari ist immer ein Liebhaberauto gewesen, und fahrwerks- und
leistungsmäßig bietet der 330 GT einem Liebhaber noch mehr als seine Vorgänger —
von der Berlinetta-Reihe abgesehen. Wirkliche Kenner wissen auch, daß, wenn sie
einen der ersten Wagen aus einer neuen Serie kaufen, sie mit kleinen Mängeln
rechnen müssen, derentwegen sie gern ein Auge zudrücken. Beim 330 GT scheinen
diese Mängel hauptsächlich bei der Karosserie zu liegen. Sie dürften jedoch sehr
bald behoben werden, zumal sie dem Werk größtenteils bekannt sind, und Maßnahmen
zu ihrer Behebung schon in die Wege geleitet sind.
Im übrigen bietet der 330 GT nicht nur, was man von ihm erwartet, nämlich sehr
hohe Fahrleistungen und hervorragende Fahreigenschaften, sondern besticht dazu
durch erstaunliche Elastizität und einen erstklassigen Fahrkomfort.
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Die Farbfotos auf diesen beiden Seiten gehören zum 330 GT aus
1965 mit der Fahrgestell-Nr 7471. Er gehörte zur ersten 5-Gang-Serie, wovon ca.
125 Stück hergestellt wurden. Bis Mitte 1965 wurde er in dieser Form produziert,
um danach wieder mit den zwei klassischen Einzelscheinwerfern ausgerüstet zu
werden. Leichtmetallfelgen wurden zum Standard, die Borrani-Speichenräder nur
noch auf Wunsch montiert. Der 330 GT2+2, am 11.1.1964 anläßlich der traditionell
zum Jahresbeginn statt findenden Pressekonferenz in Maranello vorgestellt, wurde
bis 1967 in ca. 1050 Exemplaren hergestellt.
Die Tradition eines 330 fand im 330 GTC seine Fortsetzung. Er wurde 1966 in Genf
als luxuriöses 2-sitziges Coupé präsentiert und verband den 4-Liter- Motor des
2+2 mit dem Kurzchassis der Sportberlinetta. Man kann ihn als Zwischenschritt
zum nachfolgenden 275 GTB ansehen.